
Gründung der Handelsfirma von Eicken
Johann Wilhelm von Eicken, der Begründer der gleichnamigen Mülheimer Kaufmanns- und Familiendynastie, wurde 1749 als Sohn des Pfarrers Gerhard von Eicken und seiner Frau Katharina Diergardt in Mettmann geboren. Nach der Heirat mit seiner fünf Jahre älteren Cousine Elisabeth kam er 1769 nach Mülheim und gründete dort am 1. Januar 1770 ein Handelsunternehmen, das sich in den folgenden Jahren in den unterschiedlichsten Bereichen betätigte. So betrieb von Eicken einerseits einen Kolonialwarenhandel, der auch Kohle und Tabak im Angebot hatte, andererseits beteiligte er sich an der Ruhrschifffahrt und an Bergwerken. Auch Papier- und Ölmühlen gehörten zum Familienunternehmen, das dank der guten Kontakte des Gründers zu einflussreichen Persönlichkeiten - er erfreute sich unter anderem der besonderen Gunst der Herrin von Broich, Marie Luise Albertine von Hessen-Darmstadt - florierte und wuchs.
Nach dem Tod Johann Wilhelm von Eickens übernahm 1804 sein Sohn Gerhard das Ruder und führte das Unternehmen durch die Wirren der napoleonischen Zeit. Hohe Zölle, Kriegssteuern und die von Napoleon verhängte Kontinentalsperre gegen England erschwerten das Geschäft und schnitten die Firma von wichtigen Exportmärkten ab. Neben seinem Beruf engagierte sich Gerhard von Eicken auch als Munizipalrat in seiner Heimatstadt Mülheim und unterstützte als Finanzier den Straßenbau vor Ort.
Unter Carl-Heinrich von Eicken, dem Enkel Gerhards, wurde der Geschäftszweig des Kolonialwarenhandels verkauft. Mit dem Bau einer Tabakfabrik an der Wilhelmstraße konzentrierte man sich ab 1877 ausschließlich auf das Tabakgeschäft. Diese Fabrik produzierte bis 1928 in Mülheim, auch wenn bereits 1889 der Hauptsitz des Unternehmens nach Hamburg verlegt worden war und am neuen Standort 1902 eine zweite Fabrik entstand. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte die Hamburger Jahresproduktion die Mülheimer übertroffen. Bedingt durch die Inflation und die Ruhrbesetzung hatte der Mülheimer Standort auch nach dem Krieg mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, so dass sich die endgültige Schließung im Jahr 1928 schon vorher abzeichnete.
Für die Firma und die Unternehmerfamilie von Eicken erwies sich die Übersiedlung nach Hamburg als wirtschaftlich sinnvoll. Mülheim jedoch verlor eine alteingesessene Kaufmannsfamilie und eine blühende Firma an das „Tor zur Welt“, das in den 1920er Jahren nicht mit den außen- und innenpolitischen Problemen zu kämpfen hatte, denen das Ruhrgebiet (Ruhrbesetzung, Ruhrkampf) und damit auch Mülheim ausgesetzt war.
Rund 100 Jahre später, im Jahr 2020, blickt die Firma von Eicken auf ihr 250-jähriges Bestehen am neuen Hauptsitz des Unternehmens in Lübeck (seit 1982) zurück.
(Roe)