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Gemeinsam Druck machen - Linolschnitt im Jugendarrest

Anfang der 1980er Jahre führte ein Kunstpädagoge einen Workshop im Mülheimer Frauengefängnis durch. Es entstanden Kaltnadelradierungen von bemerkenswerter Unmittelbarkeit und Ausdruckskraft, die sichtbar machten, was Kunst auch unter widrigen Bedingungen vermag: Sprache geben, wo Worte fehlen.

2025 zeigte das Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr diese Werke in einer Ausstellung. Für Felix Rohrschneider, Volontär am Museum, war die Begegnung mit diesen Arbeiten ein Ausgangspunkt. Fast vierzig Jahre nach dem ursprünglichen Workshop wollte er daran anknüpfen und führt 2026 eigene Linolschnitt-Workshops im Jugendarrest durch.

Kunstpädagogische Forschung belegt, dass kreatives Arbeiten mit Material für Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen eine besondere heilende und stärkende Wirkung entfalten kann. Im Einschneiden, Herausarbeiten und Abdrucken eines eigenen Motivs steckt mehr als eine handwerkliche Übung. Es entsteht etwas Eigenes, Sichtbares, Bleibendes. Diese Erfahrung von Selbstwirksamkeit, also das Erleben von eigener Kreativität und dem Erschaffen selbst, stärkt Selbstbewusstsein und Handlungskompetenz gerade dort, wo klassische pädagogische Ansätze oft nur schwer ankommen. Kunst schafft einen Raum für Ausdruck, Reflexion und Identität jenseits von Schuld und Strafe und kann so einen wichtigen Beitrag zur Resozialisierung leisten.

Das Projekt versteht sich nicht als Therapie, sondern als kulturelle Bildung: offen, prozessorientiert und auf Augenhöhe. Es ist der Versuch, eine alte Überzeugung dieses Hauses neu zu leben. Dass Kunst kein Privileg ist, sondern ein Grundrecht.